www.terzakis.de

Archiv
Lebenslauf
Operette
Konzerte

Regie
Kompositionen
Photos
Audio
Presse

WDR Festkonzert zum 200. Geburtstag von

ALBERT LORTZING

(1801 - 1851)
Freitag, den 7.12.2001 Philharmonie Köln
WDR-Rundfunkchor
WDR Rundfunkorchester Helmuth Froschauer

lortzing.pdf

Das Programmheft als pdf Datei (Acrobat Reader)

Helmuth Froschauer
Dirigent
Teresa Ringholz
Sopran
Kurt Moll
Bass
Konrad Beikircher
Präsentation

Die Präsentation (Text) von Konrad Beikircher


1. Ouvertüre "ROLANDS KNAPPEN" 1849


Seien Sie gegrüßt, meine sehr verehrten Damen und Herren, zu einem Abend mit Zückerchen und Entdeckungen aus der Hand Albert Lortzings, dessen 200.ten Geburtstag wir in diesem Jahr feiern. Zückerchen - weil Vertrautes und Bekanntes erklingen wird, Entdeckungen - weil wir Ihnen daneben bisher nicht oder kaum Gehörtes vorstellen werden. Und da müssen wir gleich einen Dank weit ins - erschrecken Sie jetzt bitte nicht - Westfälische hinein aussprechen:
nach Detmold, an die Musikwissenschaftlerin Irmlind Capelle, die dort an der Lippischen Landesbibliothek (die gibt es, und wie!) die Schätze Albert Lortzings hütet und zwar mit einer derartigen Treue, daß sie in Fachkreisen einen liebevollen Spitznamen bekommen hat: Die Witwe Lortzings! Von ihr haben wir einige der Raritäten, die Sie heute hören werden. Das eben war die Ouvertüre zur Oper "Rolands Knappen oder Das ersehnte Glück", die Albert Lortzing 1849 schrieb, gut anderthalb Jahre vor seinem Tod am 21. Januar 1851. Wir denken in diesem Jahr also auch an den 150.ten Todestag - das ist übrigens bei Lortzing veranstaltungstechnisch ausgesprochen praktisch: 180.1 geboren, 1851 gestorben, da fallen die Jubiläen immer in dasselbe Jahr. Albert Lortzing - jeder Deutsche kennt ihn, 150. Jahre lang nach Mozart und Verdi der meistaufgeführte Opernkomponist, kein Wunschkonzert ohne eine seiner Arien, wie Wilhelm Busch eiserner Bestandteil des Schatzkästlein deutschen Humors - ich sage nur:
"Zar und Zimmermann"! - , was soll es bei DEM noch zu entdecken geben? Jot - in den letzten Jahren wird er nicht mehr so häufig aufgeführt, es ist ein bißchen still geworden um ihn auf den deutschen Opernbühnen, weil viele Intendanten und Regisseure ihm und seinem Werk etwas ratlos gegenüberstehen. Das aber ist eine Chance: die Chance, ihn neu zu entdecken, ihm und seinem Werk gerechter zu werden als bisher, oder, wie es Frau Capelle im Programmleporello ausdrückt: "Es wird Zeit, daß wir Lortzing ernst nehmen in Werk und Biographie." Warum? Weil er von zu vielen an die Brust gedrückt wurde: er ist weder der Herrschertreue, noch DER Deutsche, weder der Revoluzzer noch der Biedermeier-Gemütliche, als welcher er jeweils vereinnahmt wurde. Wer von so vielen an die Brust gedrückt wird, ist schnell platt. Was platt ist, kann man unter jeder Tür durchschieben, es paßt sogar unter die Muschel des Kurkonzerts in Bad Orb. Und das hat Lortzing nicht verdient.
Er war, wie Jürgen Lodemann in seiner Biographie Lortzings schreibt: Komponist und Dichter - er hat ja die Libretti seiner Opern selbst geschrieben -, Sänger, Schauspieler, Dirigent, Cellist, Clown, Frauenschwarm, hinreißender Familienvater und schließlich engagierter Bürger, der mit Parodie und Witz - und ein bißchen auch als wirklicher Revolutionär - gegen Metternichs Polizeistaat kämpfte. Ein politisch wacher, aufgeklärter Mann seiner Zeit, dessen endlich vollständig herausgegebene Briefe nicht nur für den Lortzing-Fan lesenswert sind, sondern für jeden, der sich für diese Umbruchszeit interessiert, deren revolutionäre Impulse 1848 so endgültig in Grund und Boden kartätscht wurden, daß es fast hundert Jahre gebraucht hat, bis die Demokratie bei uns wirklich Fuß fassen konnte. Diese Umbruchszeit hat Lortzing in seinen Opern kommentiert, kabarettistisch gebrochen, oder einfach nur dargestellt, natürlich in Unterhaltung eingepackt, die Kritik in eher homöopathischer Dosierung versteckt, aber dennoch - für damalige Ohren - deutlich genug. Und immer auf musikalisch hohem Niveau. Im Waffenschmied versteckt er ans Ende der Arie "Auch ich war ein Jüngling mit lockigem Haar" ein paar Verse, die 1846 schon revolutionär klingen mussten:

"Wenn jeder erglühte für Wahrheit und Recht,
wenn Hader und Zwietracht nicht wär,
wenn treu alle Frauen, der Wein immer echt
wenn Rechtlichkeit käme als Waffenschmied
und schlüg auf den Amboß, von Glut umsprüht
ein Schwert, nur dem Guten geweiht
das wär eine köstliche Zeit"

Und das Lied "Wir armen, armen Mädchen" ist auch eher ernst gemeint als gemütlich, wenn da die Zeilen stehen:

"Ein Mann kann tun, was er will
da schweigt der böse Leumund still
doch ach, wir armen Mädchen
sind gar so übel dran
ich wollt`, ich wär kein Mädchen,
ich wollt`, ich wär ein Mann"

DAS WDR RUNDFUNKORCHESTER KÖLN
UNTER DER LEITUNG SEINES CHEFDIRIGENTEN
HELMUT FROSCHAUER
SPIELT AUS DER OPER "DER WAFFENSCHMIED"
WIR ARMEN, ARMEN MÄDCHEN
SOLISTIN: TERESA RINGHOLZ


Bei der Uraufführung der Oper "Zar und Zimmermann" am 22. Dezember 1837 in Leipzig sang Albert Lortzing den Peter Iwanow. Über seinen Tenor mokierte sich, als er als junger Mann in Aachen spielte, ein Pamphlet folgendermaßen:
"Herr Lortzing, zweiter Liebhaber und Tenorist, ein junger Zierbengel mit einer Kastratenstimme, die keiner Modulation fähig ist, einem Milchgesichte - und der Liebling der Damen", bekam aber sofort von der "Rheinischen Flora" eins drübergebraten mit einer Ehrenerklärung für den "fleißigen, braven und talentvollen Herrn Lortzing, an dessen moralischem Wert kein Pharisäer etwas auszusetzen finden wird"! Und da soll noch einer sagen, die Rheinländer würden sich aus allem heraushalten und mit einem "Dat muß jeder selber wissen" sich umdrehen und gehen!

LEBE WOHL, MEIN FLANDRISCH MÄDCHEN
HEIßT DAS LIED DES CHATEAUNEUF AUS DER OPER "ZAR UND ZIMMERMANN"
ES SINGEN ZACHOS TERZAKIS UND TERESA RINGHOLZ
UND DER WDR RUNDFUNKCHOR KÖLN


Was jetzt kommt, ist einer der ewigen Hits aus der Feder Albert Lortzings. Was sich heute aber eher wie im Märchen anhört: 5.000 Taler, wo keiner weiß, wieviel das ist, wird konkret, wenn man es etwas kommentiert: Der Bau des großen kurfürstlichen Opernhauses in Hannover damals hat 34.000 Taler gekostet, die Jahresmiete für das Leipziger Opernhaus betrug 1.000 Taler. Wenn man überlegt, daß die Philharmonie Köln ca. 80 Millionen DM gekostet hat, wären 5.000 Taler heute die stattliche Summe von 11.764.705 DM. Daß da einer durcheinanderkommen kann - klar. Und
falls die Sendung in ein paar Jahren wiederholt werden sollte, müssen wir das Ganze auch noch in Euro umrechnen, dat wären dann: 6.015.198,151 Euro! Da bist Du fertig mit der Welt!
Weil man aber 11.764.705 DM genau so schlecht singen kann wie 6.015.198,151 Euro, hat sich Lortzing für 5.000 Taler entschieden.

DIE ARIE "5000 TALER" AUS DEM WILDSCHÜTZ
SINGT KURT MOLL!


No, das waren ja Holzschuhe, die dem Wiener Neujahrskonzert exzellent zu Gesichte gestanden hätten. Zu ... nicht ins..! Danke höflichst, Herr Froschauer!

Jetzt kommen wir zur ersten "Ausgrabung" des heutigen Abends. Von 1833 bis April 1845 war Albert Lortzing in Leipzig, zuletzt als Kapellmeister. Das war seine Erfolgszeit: hier entstanden unter anderem "Zar und Zimmermann", "Hans Sachs", "Der Wildschütz", "Undine" und "Der Waffenschmied", der dann 1845 in Wien uraufgeführt wurde. In Leipzig war Lortzing von Anfang an Mitglied der "Tunnelgesellschaft". Er war allerdings als gefeierter Schauspieler und Komödiant dorthin gekommen, als Komponist wurde er erst im Laufe der Jahre DER Lortzing. Aber davon können alle Multitalente in Deutschland ein Lied singen: bis da mal anerkannt wird - wie bei Lortzing - daß ein Schauspieler auch Dichter und gar Komponist sein kann, vom Sänger und Dirigenten gar nicht zu reden, da fließt schon einiges Wasser dä Rhing erav! Lortzing hat seine Kindheit ja quasi in der Theaterkulisse verbracht und ist sehr früh schon Schauspieler und als solcher berühmt geworden: mit seinen Eltern ist er durch die Lande getingelt - viel auch im Rheinland - hatte das Tingeln im Laufe der Jahre aber langsam satt bekommen und war froh, in Leipzig am Stadttheater mit 32 Jahren endlich ein festes Engagement zu bekommen. Er bewegte sich gerne und sicher in Gesellschaft, war ein beliebter Künstler und Mensch, was wunder, daß er direkt im "Tunnel-Club über der Pleiße" Aufnahme fand. Das war ein witzig literarischer Debattier-Club, wie der Name ja schon andeutet, jeden Samstag traf man sich um "lm Namen Till Eulenspiegels tunnelinternen Blödsinn" zu treiben, natürlich auf hohem Niveau, denn hier war alles versammelt, was in Leipzig Rang und Namen hatte. Friedrich Wieck, der Vater von Clara Wieck, späterer Schumann, war genau so Mitglied im Tunnel wie Anton Philipp Reclam, der Verleger oder der damals hochgeschätzte Komponist Heinrich Marschner. Während die junge Avantgarde, z.B. Robert Schumann, im Kaffeebaum residierte, trafen sich die Arrivierten in der Tunnelgesellschaft.
Wegen der Zensur sprach man dort gerne in einer Art Geheimsprache und war sich in der politischen Abneigung gegen das Philistertum und in den Träumen einer deutschen Einheit einig. Lortzing schrieb für die Gesellschaft Werke wie "Die Übergabe des Zopfes Karls des Großen an die Friseur-Innung zu Schilda", natürlich Text und Musik, eine Parodie auf die damalige Mode die Vergangenheit zu verklären, die der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. in gang gesetzt hatte. Man könnte sagen, daß Lortzing hier seinen kabarettistischen Talenten freien Lauf lassen konnte. 1843 wurde er sogar Musikdirektor im "Tunnel-Club". 1836 hatte er den Elisabethen-Walzer op. 71 von Johann Strauß (Vater) für sechsstimmig gemischten Chor bearbeitet und einen Text dafür geschrieben: "Strauß, Dir tönt unser Lob". Das Manuskript haben wir in Detmold gefunden, die Damen und Herren vom WDR Rundfunkchor Köln singen sozusagen direkt aus der Handschrift Lortzings!
((BLICK LINKS!!!))
Herr Froschauer: ich sehe gerade im Publikum den Chefdirigenten des WDR Rundfunkchors sitzen, Herrn Anton Marik. Geh, Herr Marik, hätten Sie Lust? Bitte!

ALSO: DER ELISABETHEN-WALZER VON JOHANN STRAUß VATER
MIT TEXT UNTERLEGT UND FÜR CHOR GESETZT VON ALBERT LORTZING
ES DIRIGIERT ANTON MARIK


1837 war mit der Oper "Zar und Zimmermann" der Erfolg in Leipzig gelungen. Die Berliner Aufführung 1839 schließlich war der europaweite Durchbruch. Lortzing wollte natürlich diesen Erfolg fortsetzen und versuchte das 1839 mit der komischen Oper "Caramó oder "das Fischerstechen", eine Kleidertausch-Geschichte:
Der Prinz Enrico tauscht mit dem Fischer Caramó Kleider und Rolle, die daraus folgenden Verwirrungen entwickeln sich im dritten Akt beim Fischerstechen - eine Leipziger Volksbelustigung, bei der man sich gegenseitig ins Wasser zu stoßen versucht - und alles geht natürlich gut aus. Aber: Ziel des Spottes in dieser Oper sind der Adel und die steife Atmosphäre bei Hof und der Text spielt satirisch mit Wörtern, für die man in der Vormärzzeit von den Herrschenden in den Kerker geworfen werden konnte: Konstitution, Verlangen nach Menschenrechten und nach Souveränität des Volkes. Das konnte nicht wirklich gut gehen und ist es auch nicht. Vielleicht waren da Inhalt der Oper und Realität zu nah beieinander. Noch hatte man ja unter denen, die Lortzing da vorführte, zu leiden, andererseits war die Hoffnung auf die Entmachtung der Fürsten zu groß und schon so nahe gerückt, daß man noch nicht befreit darüber hätte lachen oder sich amüsieren können. Hier ist das Finale des ersten Aktes aus der Oper Caramó:

"DEN ERHABNEN FÜRSTENSOHN GRÜSSEN WIR IN UNSERER MITT"
ES SPIELT DAS WDR RUNDFUNKORCHESTER KÖLN
UNTER DER LEITUNG VON HELMUT FROSCHAUER
ES SINGEN DER WDR RUNDFUNKCHOR KÖLN
TERESA RINGHOLZ
ZACHOS TERZAKIS
und KURT MOLL


PAUSE


"Selbst die einfältigsten Leute fangen an zu begreifen, daß man auch ohne Kaiser fertig werden kann", schrieb Albert Lortzing in einem Brief aus Wien, wo er seit 1845 weilte, als Kapellmeister am Theater an der Wien. Ab 1. September 1848 allerdings war er ohne Engagement, das Theater an der Wien schuldete ihm drei Monatsgagen, die Armut zog bei Lortzings ein und verließ sie nicht mehr bis zu seinem Tod. An drei Opernhäusern wurden Opern von ihm gegeben, er aber geht ins Leihhaus, um die letzten Habseligkeiten zu versetzen. Wie? Werden Sie sagen, wie "kütt dat" dann? Tja, damals gab es noch keine GEMA, ein Komponist bekam eine einmalige Abfindung für z.B. eine Oper und wenn sie oft gespielt wurde, hatten alle was davon, außer dem Komponisten. Lortzing ist ein prominentes Opfer dieser Ungerechtigkeit: seine Opern wurden überall mit großem Erfolg aufgeführt, er gehörte zu den populärsten deutschen Opernkomponisten, starb aber in bitterer Armut, die er bis zuletzt vor der Welt versteckt hielt.
In Wien kam noch dazu, daß sowohl er selbst wie auch das Theater an der Wien sich zur Revolution bekannten. Man war auf der Seite des revoltierenden Volkes: das Theater an der Wien gab seinen Mitarbeitern ein Monatsgehalt, damit sie ohne Geldnot sich an der Revolution beteiligen konnten, Lortzing komponierte Volkslieder wie "Sieg, Freiheit oder Tod!" - er war also mittendrin. Sein Freund aus Leipziger Zeiten Robert Blum, einer der großen Namen der 48er Revolution und einer der Vorläufer der Sozialdemokratie, ist auch in Wien und wird im März in der Brigittenau in Wien erschossen - eine Nachricht, die in ganz Deutschland lähmendes Entsetzen hervorrief. In dieser turbulenten zeit erwacht Lortzings politisches Bewußtsein so - obwohl er immer schon ein wacher Kopf gewesen war, wie man in seinen Briefen lesen kann - , daß er eine Freiheits-Oper schreibt: "Regina".
Am 5. Oktober 1848 hatte er sie fertiggestellt, da war aber auch die Revolution fast schon am Ende, die Reaktion siegte und mit der Freiheit war es erstmal für längere Zeit vorbei. Das führte dazu, daß diese Oper - die einzige deutsche Oper aus der Zeit, die hautnah den Schrei nach Freiheit zum Inhalt hat, in der sich Lortzing als Künstler zeigt, der sehr wohl fähig ist, große und obendrein politische Stoffe zu verarbeiten, also nicht nur einer ist, der behaglich-satirische Komödien-Meisterwerke schreiben kann - , daß diese Oper also, als sie fertig war, zwischen alle Stühle fiel und nicht aufgeführt wurde. 1899 gab es mal eine inhaltlich verballhornte Fassung zu hören, in der von Lortzing tatsächlich geschriebenen Fassung wurde die Oper erst 1998 in Gelsenkirchen uraufgeführt. Diese Oper geht - mehr zu erzählen fehlt jetzt die Zeit - mit streikenden Fabrikarbeitern los. Sie fordern höheren Lohn mit den Worten:

"Beschlossen ist's: zu Ende sei die Knechtschaft und die Tyrannei.
Wir werden Recht uns bald verschaffen!
Wenn nicht mit Worten, dann mit Waffen!"
.

Verständlich, daß bei solchen Tönen der Verlag Breitkopf & Härtel in Leipzig erstmal das ganze Textbuch sehen wollte, bevor man es druckt, wo es sich doch "um politica dreht", wie man an Lortzing schrieb. Klar auch, daß diese Oper nicht gedruckt wurde.
Hören Sie aus der Oper Regina, der ich wünsche, daß sie auch hierzulande mal aufgeführt wird, die Introduktion zum ersten Akt:

"WIR WOLLEN NICHT, WAS HÄTTEN WIR DAVON?"
ES SINGT DER WDR RUNDFUNKCHOR KÖLN
SOLIST IST ZACHOS TERZAKIS


1826 war der 25 Jahre alte Lortzing nach Detmold an das dortige Hoftheater gekommen. Bis 1933 blieb er dort. In dieser zeit glänzte er in vielen Rollen und fand enormen Beifall, außer bei einem: bei Christian Dietrich Grabbe, dem grandiosen Trunkenbold und genialischen Dichter - ich sage nur: Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung -, der im selben Jahr wie Lortzing geboren wurde, mit 35 aber bereits an Rückenmarksschwindsucht sterben mußte. Grabbe ist in Detmold öffentlich über Lortzing hergezogen wie nur sonst was, die Schauspieler wehrten sich gegen diese Angriffe auf ihre Weise, indem sie Grabbe auf der Bühne karikierten, daraus aber entstand schließlich eine Freundschaft zwischen den beiden. Das hatte sich sicher in der Kneipe angebahnt, denn beide hatten neben ihren künstlerischen auch hohe sagen wir mal wirtschaftliche Fähigkeiten. Jedenfalls führte die Schauspieltruppe schließlich Grabbes "Don Juan und Faust" auf, Albert Lortzing in der Rolle des Don Juan.
Und Lortzing komponierte auf Wunsch des Dichters die Bühnenmusik dazu.
"Don Juan und Faust" ist ein Stück, in dem Grabbe die beiden Mythen Faust und Don Juan einander gegenüberstellt, allerdings handelt es sich mehr um eine Parallelmontage, die beiden begegnen sich nur zweimal in diesem Stück. Beide aber begehren Donna Anna. Faust entführt Donna Anna auf den Montblanc und schickt den anrückenden Don Juan in einem Sturm nach Rom zurück. Als Faust aber merkt, daß er Donna Anna's Liebe nicht bekommen kann, tötet er sie. Darauf geht er zu Don Juan, um ihm den Tod der Geliebten mitzuteilen. Der aber, seinem Mythos gemäß, nimmt es leichter als Faust dachte, woraufhin Faust ihn in einem Feuerregen vernichtet. Donna Anna war dem Grübler Faust nicht erreichbar, dem Sinnlichen Don Juan nicht wertvoll genug.

Hören Sie den Monolog Fausts und die Gnomenszene aus der Schauspielmusik zu Grabbes "Don Juan und Faust".

An dieser Stelle möchte ich Gert Westphal herzlich gute Besserung wünschen. Er sollte diese Szene sprechen, mußte aus Krankheitsgründen jedoch absagen.

Im Anschluß an diese Szene hören Sie
die Ballettmusik Nr. 12 aus der Oper Undine.
Solistinnen in der Gnomen-Szene sind Claudia Nüsse und Ursula Kunz - Menke



Am Silvesterabend 1842 wurde in Leipzig der Wildschütz uraufgeführt. Es war schon dem damaligen Publikum klar, daß das ein Meisterwerk ist. Und sicher hat das Publikum es genossen, nach Ferdinand Raimunds "Der Bauer als Millionär" und Johann Nestroys "Lumpazivagabundus" im Wildschütz nun eine Oper hören zu können, die in feiner Ironie von der korrumpierenden Macht des Geldes erzählt.

Teresa Ringholz singt die Arie der Baronin Freimann
"AUF DES LEBENS RASCHEN WOGEN"


Albert Lortzing war - wie Mozart - Freimaurer. Als solcher hat er natürlich eine Reihe von Liedern für die FreimaurerLogen geschrieben. Drei davon haben wir in Detmold ,ausgegraben`, Sie können sie jetzt hören in einer Fassung für Männerchor und Orchester. Joachim Schmeißer hat den Klavierpart für Orchester arrangiert.
Im Anschluß daran darf ich Ihnen zwei absolute Hits aus der Feder Albert Lortzings ankündigen:

Das Lied des Veit aus der Oper "Undine",
gesungen von Zachos Terzakis
und
Die Kantatenprobe „Den hohen Herrscher würdig zu empfangen" aus der Oper Czaar und Zimmermann,
zelebriert von Kurt Moll.
Der WDR Rundfunkchor und das WDR Rundfunkorchester musizieren
unter der Leitung von Helmut Froschauer.

Zunächst aber:

DREI FREIMAURER-CHÖRE:
„Grosser Meister, dessen Allmacht"
„Schwört Brüdertreu im Munde" und
„Kommt Brüder, trinket froh"


Es folgten noch:

»Vater Mutter Schwestern Brüder«
aus: »Undine«
für Tenor (Zachos Terzakis) und Orchester


»Den hohen Herrscher würdig zu empfangen«
Kantatenprobe aus: »Zar und Zimmermann«
für Bass (Kurt Moll), Chor und Orchester


Seitenanfang Seitenanfang zachos@terzakis.de